Dissertation

Demokratie in Aktion: Politische Protestkampagnen im Netz und auf der Straße
(Arbeitstitel)

Während in frühen Studien die Orts- und Zeitunabhängigkeit netzgestützten Protests hervorgehoben wurde, zeigen jüngere Protestphänomene die (unvermindert) hohe Relevanz konkreter Ortsbezüge für die politische Mobilisierung und öffentliche Wahrnehmung von politischen Protesten. Die Occupy-Bewegung sei hier als eines der anschaulichsten Beispiele genannt, da hier Orte vor allem im Sinne zentraler öffentlicher Plätze eine ganz herausragende Rolle spielten. Sei es der Zucchotti Park in New York oder der Willy Brandt Platz vor der EZB in Frankfurt, stets ging es darum, symbolisch bedeutsame Orte einzunehmen, zu besetzen und als Experimentierfelder alternativen Lebens und alternativer Formen der politischen Meinungs- und Willensbildung neu zu gestalten. Diese Beispiele machen deutlich, dass politische Protestaktionen in komplexen Online/Offline-Bezügen organisiert und umgesetzt werden. Dabei setzen erfolgreiche Protestaktionen häufig kampagnenförmige Formen der Mobilisierung zu kollektiven Aktionen voraus. So sind in den letzten Jahren eine Reihe neuer Kampagnenorganisationen entstanden, die sich auf die Mobilisierung von Protest durch webgestützte Kampagnen spezialisiert haben und dabei in innovativen Formen Online-Kommunikation und Offline-Aktionen verbinden. Solche netzgestützten netz- wie ortsbezogenen Kampagnen organisiert in Deutschland z.B. die Organisation Campact, welche unter anderemim Promotionsvorhaben untersucht werden soll.

Die entscheidende Frage, welcher im Projekt nachgegangen werden soll, lautet nun, wie sich das Verhältnis von Online- und Offline-Räumen in gegenwärtigen Praktiken des politischen Protests gestaltet. An welchen Orten – onsite und offsite – finden Protestaktionen statt? Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Online- und Offline Räume für die Mobilisierung von Aktionen wie für die Gemeinschaftsbildung unter den Aktivisten und die Sichtbarmachung von Protestanliegen für eine breitere Öffentlichkeit? Außerdem stehen die Beweggründe und Motive von beteiligten Subjekten (im Netz und auf der Straße) im Mittelpunkt der Untersuchung. Warum nehmen Menschen an Straßenprotest teil? Warum bevorzugen andere Online-Petitionen? Und warum engagieren sich wiederum andere gleichermaßen im Netz und auf der Straße bzw. vielleicht auch an keinem dieser Orte? Kritiken des sogenannten „Clicktivism“ oder „Slacktivism“ (Morozov 2011) stehen Straßendemos und Bewegungen mit großen Menschenmassen wie gegen Stuttgart21 oder die Anti-AKW-Bewegung gegenüber. Wie fundiert sind also die Vorwürfen, Menschen würden nicht mehr auf die Straße gehen, wenn sie stattdessen auch nur eine Online-Petition unterzeichnen könnten?

Empirischer Forschungsgegenstand sind unterschiedlich organisierte Protestakteure im Bereich von Energiewende-Protestkampagnen. Es soll eine ethnografische Feldstudie durchgeführt werden. Mit Hilfe einer teilnehmenden Beobachtung werden auf Energiewende-Demos Mobilisierungsstrategien der Organisationen und Protestmitgestaltung von Aktiven dokumentiert, sowie Gespräche mit Aktivisten geführt. Ebenso sind Interviews mit Netzaktivisten geplant. Diese sollen dann Aufschluss über Beweggründe für die Teilnahme und Mitgestaltung verschiedener Protestpraktiken in verschiedenen Protesträumen geben und schlussendlich einen Beitrag zur Clicktivism-Debatte leisten.

 

 

Forschungsschwerpunkte:

  •     Medien und Gesellschaft
  •     (Politische) Kommunikation und Social Media
  •     Politischer Protest und Kampagnenforschung
  •     Internationale Organisationen und NGOs
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